Der Überflieger

Mercedes-Benz

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Die Automobile von Mercedes-Benz stehen für Zuverlässigkeit, Tradition und Innovation. Doch 1991 sorgte die S-Klasse Baureihe 140 für viel Aufsehen und Diskussion. Die Modelle, welche von Juli 1991 bis September 1998 gebaut wurden, markieren bis heute einen kontroversen Moment in der Unternehmensgeschichte.

Das Streben nach Perfektion

Einerseits sollten die Entwickler das Design des Vorgängers W126 übertrumpfen und andererseits eine zeitlose und alltagstauglich Baureihe für Kunden schaffen. Zur gleichen Zeit erweiterte sich jedoch auch das Marktangebot, sodass Modelle wie der E 32 750i von BMW, eine Konkurrenz darstellten. Um den Führungsanspruch von Mercedes-Benz innerhalb der Oberklasse zu verdeutlichen, wurden kurz vor dem Serienstart im Jahr 1991 noch Verbesserungen vorgenommen. Das Resultat? Eine deutliche Kostenüberschreitung, welche die Kündigung des Daimler-Benz-Chefentwicklers Wolfgang Peter zur Folge hatte.

Innovation vom Feinsten

Mit Vernetzung von Steuergeräten per CAN-Bus, Peilstäben als Einparkhilfe, Bremsassistent und erstmaliger Doppel-Isolierverglasung der Seitenscheiben markierte der W140 einen Technologiesprung. Darüber hinaus spielte Nachhaltigkeit eine große Rolle, sodass bei der Konstruktion viel Wert auf weitgehende Recyclingfähigkeit des Fahrzeugs gelegt wurde. Größtenteils deswegen wurde der S-Klasse 1992 der US-amerikanische „Stratospheric Ozone Protection Award“ der Environmental Protection Agency (EPA) verliehen.

Rasant unterwegs

Die Modelle wurden mit einem neu entwickelten Zwölfzylindermotor mit einer beeindruckenden Leistung von 300 kW (408 PS) ausgestattet – der bis dahin leistungsstärkste Pkw-Motor der Marke. BMW hatte schon 1987 mit dem 750i ein Fahrzeug mit Zwölfzylinder auf den deutschen Markt gebracht. Mercedes-Benz wollte dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen und entwickelte zwischenzeitlich sogar einen V16-Motor, welcher jedoch nicht in Produktion ging. Man begnügte sich mit zwölf Zylindern, da der W140 mit 408 PS den 750i mit 326 PS deutlich übertraf.

Fahrzeug der Superlative

Während die Normalversion der Baureihe 140 ganze 5,11 Meter misst, übertrifft die SEL diese sogar mit 5,21 Meter. Im Angesicht der riesigen SUVs heutzutage kann man über solche Maße schmunzeln. Jedoch sorgten diese 1991 für Gesprächsstoff. Besonders in Deutschland waren viele aufgrund der Größe skeptisch. Für den Durchschnittsdeutschen wirkte das Modell so monolithisch, so kühl, ja fast arrogant. Doch bestimmte Märkte im Ausland zelebrierten die neue S-Klasse genau deswegen – schließlich dient ein Fahrzeug der Oberklasse auch als Statussymbol.

Selten sorgte eine Baureihe für so viele gemischte Reaktionen. Während die Taz von einer „Ausgeburt von Ingenieurswahn und Klimakiller-Instinkt“ sprach, betitelte die Auto Motor und Sport die S-Klasse als das „beste Auto der Welt“. Trotzdem war der W140 ein Erfolg. Zwischen 1991 und 1998 wurden im Werk Sindelfingen insgesamt 406.717 Fahrzeuge der Baureihe 140 hergestellt. Dies zeigt: Oft braucht Innovation Kontroverse.

 

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