50 Jahre Ford Granada: Die große Limousine des kleinen Mannes

Ein blauer Ford Granada steht am Straßenrand.

Beim Stichwort Ford denken die meisten sofort an berühmte Modelle wie den Capri, den Fiesta oder den Escort – und manche auch an den Granada. Mit dieser großen Limousine, die vor genau 50 Jahren auf den Markt kam, hatte Ford sich ein besonders ehrgeiziges Ziel gesetzt – einen Imagewechsel. Der allerdings nicht klappte.

Bei manchen Autos ist nicht ganz klar, wie erfolgreich sie tatsächlich waren. Der Ford Granada, der 1972 auf den Markt kam, ist so ein Fall. Sieht man sich die Verkaufszahlen an, fällt das Fazit eindeutig aus: Von 1972 bis 1985 liefen stattliche 1,65 Millionen Granadas vom Band – zweifellos ein Erfolg. Doch ein anderes Ziel erreichte Ford nicht: Eigentlich wollte man mit dem Granada zu internationalen Prestige-Marken wie Mercedes, BMW oder Jaguar aufschließen. Dies schaffte der Granada aus verschiedenen Gründen nicht, ebenso wenig wie sein ähnlich konzipierter Nachfolger Scorpio. Als Luxusmarke gilt Ford bis heute kaum, sondern in erster Linie als Hersteller solider, sachlicher und praktischer Mittelklassefahrzeuge. Was keine Schande ist: Schließlich sind auch andere Hersteller beim Versuch, sich dauerhaft in der Oberklasse zu etablieren, zu kurz gesprungen.

Platz satt im Inneren

Als Ford den Granada von 50 Jahren vorstellte, war das noch nicht absehbar. Denn gemessen an seinen eher schlicht auftretenden Vorgängern war dem Granada der Ehrgeiz, sich einen Platz in der Oberklasse zu erobern, deutlich anzusehen. Der Wagen wirkte verglichen mit seinen Vorgängern recht bullig und massiv, obwohl er mit einer Länge von 4,60 Metern gar nicht so riesig war. Doch das änderte sich, wenn man erst mal drinnen saß – dann fühlte man sich wie in einem Schlachtschiff. Allein auf der Rückbank, so schien es, ließ sich locker eine ganze Kleinfamilie unterbringen. Sogar mit Hund.

Und damit nicht genug: Es gab den Granada mit Vierzylindermotoren, doch wer es sich leisten konnte, griff lieber gleich zu einem der drei angebotenen V6-Motoren mit 2,3 bis 3,0 Litern Hubraum. Sechs Zylinder – das galt damals als Indiz für Leistung und Luxus, denn in der Mittelklasse begnügte man sich in der Regel mit vier Zylindern. Die Motoren hörte man im Inneren kaum. Ford warb damit, dass die Geräuschdämmung im Granada allenfalls von einem Rolls-Royce (!) übertroffen würde.

Verkaufserfolg schmälerte Prestige

Das alles gab es zu einem Preis, der deutlich unter dem lag, was man für Modelle der Konkurrenz aus Stuttgart und München bezahlen musste. Was allerdings vielleicht die Crux an der Sache war: Dass der Granada auch für weniger Betuchte erschwinglich war, förderte zwar seinen Verkaufserfolg, war dem angestrebten Nobel-Image aber eher abträglich. Erschwerend kam hinzu, dass Ford bei der Verarbeitungsqualität nicht immer mit den etablierten Oberklassen-Platzhirschen mithalten konnte. Als echter Konkurrent für Mercedes oder BMW galt der Granada daher kaum, er blieb zeitlebens die große Limousine des kleinen Mannes.

Unterstrichen wurde dies nicht zuletzt durch einige prominente TV-Auftritte, vor allem in Krimiserien. Am bekanntesten: „Tatort“-Ikone Horst Schimanski, gespielt von Götz George, fuhr zeitweilig einen Granada – und er verströmte bekanntlich einen eher ruppigen, proletarischen Charme. Zum Vergleich: Derweil glitt Schauspielerkollege Horst Tappert als Oberinspektor Derrick, der ein vergleichsweise aristokratisches Auftreten hatte, mit einen BMW durch die Münchener Villenviertel.