Ein Mustang aus japanischer Zucht

Ein roter Ford Probe

Das englische Wort „probe“ bedeutet in etwa so viel wie „Versuchsrakete“. Ein Name, der nicht passender für das als Mustang-Nachfolgemodell geplante Gemeinschaftsprojekt des US-amerikanischen Konzerns Ford und des japanischen Autobauers Mazda hätte gewählt werden können. Denn bei Versuchen ist der Ausgang ja bekanntlich offen …

Nachfolger des Ford Mustang

Wohl jeder Autofan kennt den Ford Mustang. Ab 1964 rollte er vom Band – bis heute wurden über 10 Millionen Fahrzeuge mit dem Pferde-Emblem gebaut. Vor allem die erste Baureihe des Sportwagens genießt dank spektakulärer Auftritte in Filmen wie James Bond Goldfinger, Bullitt und John Wick absoluten Kultstatus. Der Mustang gilt inzwischen als das klassische US-Muscle-Car.

Kaum vorstellbar, dass Ford seine Filmlegende Ende der 1980er-Jahre in den Ruhestand schicken wollte. Gemeinsam mit Mazda – das Unternehmen produzierte seit Mitte der 1980er in einem ehemaligen Ford-Werk in Flat Rock, Michigan – brachten die Amerikaner 1988 daher ein Sportcoupé mit dem Namen Probe auf den Markt.

Späte Markteinführung in Deutschland

Offiziell eingeführt wurde die erste Generation des Probe in Deutschland nie – auch wenn angepasste Fahrzeuge ab 1990 bei hiesigen Ford-Händlern erhältlich waren. Erst die zweite Generation kam ab 1994 auf den europäischen und deutschen Markt.

So blieb vielen Mustang-Fans immerhin lange Jahre ein teures Missverständnis erspart. Denn hinter dem Ford-Emblem verbarg sich technisch eher ein Nachfolger des biederen Mazda Capella C2 als des legendären Pony-Cars – und das hatte nicht nur mit seinem Äußeren zu tun. Der Ur-Mustang war kantig, er wirkte bullig und aggressiv – was gerade bei männlichen Käufern seine Faszination ausmachte. Der Probe war im Vergleich dazu eher zierlich und orientierte sich mit seiner niedrigen Front und den Klappscheinwerfern an italienischen Sportwagen-Vorbildern – zumindest versuchte er es.

Heftige Kritik – selbst bei Ford

Auch unter der Haube gab es erhebliche Unterschiede: Statt den für ein US-Muscle-Car eigentlich obligatorischen acht Zylindern hatte der Probe nur zahme vier. Außerdem wurde er im Gegensatz zum Mustang nicht von einem Heck- sondern einem Frontmotor angetrieben. Bei eingefleischten Mustang-Fans kam das überhaupt nicht an. Und selbst neutrale Käufer mussten feststellen, dass das anfangs noch recht beifällig beurteilte Design des Probe leider nicht zeitlos war. Nach wenigen Jahren wirkte es bieder und langweilig – das Todesurteil für einen Sportwagen.

So richtig überzeugt vom Probe war man selbst bei Ford offenbar nicht. Bereits 1989 sagte John Coletti, ein damals führender Ford-Manager: „Ich würde lieber den Namen Mustang sterben sehen, als ihn auf einen Probe zu packen“. Die Überlegungen, den Probe zum Mustang-Nachfolger aufzubauen, wurden schon früh zu den Akten gelegt.

Kein Mustang, ein Probe!

Die Härte der Kritik hatte allerdings vor allem mit den großen Fußstapfen des Mustangs zu tun, in die der Probe treten sollte. Was nicht ganz fair ist: Wer das Auto losgelöst davon betrachtet, sieht ein Sportcoupé, der durchaus Charme hat.

Das liegt nicht nur am Top-Speed von 225 km/h, sondern auch am elektrisch verstellbaren Fahrwerk sowie elektrischen Fensterhebern – absolute Highlights zur damaligen Zeit. Hinzu kam, dass Schaltknauf und Lenkrad einen edlen Lederüberzog vorweisen konnte. Nicht zu vergessen: die heutzutage sehr selten gewordenen ausfahrbaren Scheinwerfer. Ein auch heute noch durchaus interessanter Gebrauchtwagen also – nur vielleicht nichts für Mustang-Fans.