Spaßmobil mit Rennsport-Genen

Manche Autos sind unvernünftig, unzweckmäßig und eigentlich komplett überflüssig. Ihre einzige Daseinsberechtigung: Sie sollen Spaß machen. Ihre Stückzahlen bleiben meist niedrig. Denn die Zahl der Käufer, die bereit sind, für ein reines Fun-Car Geld auf den Tisch zu legen, ist überschaubar. Doch gerade dies macht solche Fahrzeuge zu Top-Kandidaten für einen Klassiker, und der Renault Sport Spider ist auf dem besten Weg dahin.

Der französische Autobauer Renault steht im Allgemeinen für grundsolide, vernünftige Autos: pfiffige Kleinwagen, geräumige Familienkutschen oder schicke Limousinen. Automobile Extravaganz – zum Beispiel die von 1961 bis 1977 gebaute Sportwagen-Legende A110 Alpine – war bei Renault eher die Ausnahme von der Regel. Doch was die Franzosen 1995 auf dem Genfer Autosalon vorstellten, ließ selbst den Alpine konventionell aussehen: Der Renault Sport Spider war in jeder Hinsicht durchgeknallt.

Der nur 3,8 Meter lange, ultraflache Zweisitzer hatte einen leichten Alu-Gitterrohrahmen und eine Kunststoffkarosserie mit spektakulären Scherentüren. Er erinnerte auf den ersten Blick an ein GoKart. Das lag vor allem an einem irritierenden Detail: Die Frontscheibe fehlte. Die hatten die Konstrukteure einfach weggelassen – der Fahrtwind, so versicherten sie, werde allein durch die aerodynamische Form der Karosserie über die Insassen hinweggelenkt. Für alle Fälle empfahl Renault jedoch, während der Fahrt einen Schutzhelm zu tragen, um sich vor Insekten oder Steinschlag zu schützen.

Die außergewöhnliche Form war kein Designer-Übermut, denn ursprünglich war der Sport Spider als reinrassiges Rennfahrzeug konzipiert worden. Der Wagen sollte im Rahmen der sogenannten „Renault Sport Spider Trophy“ gefahren werden, und zwar im Vorprogramm von Formel 1-Rennen. Für eine spätere Version wich Renault dann vom ursprünglichen Entwurf ab und baute doch eine Windschutzscheibe ein. Auf Nebensächlichkeiten wie eine Heizung oder ein Verdeck hingegen wurde konsequent verzichtet – in der klaren Erkenntnis, dass der Sport Spider vermutlich nur bei schönem Wetter gefahren würde. Und das recht flott: Der 2-Liter-Vierzylinder, als Mittelmotor eingebaut, leistete 147 PS und brachte den leichten GoKart-Roadster in unter sieben Sekunden auf 100 km/h.

Trotz seiner spektakulären Optik – oder vielleicht gerade darum – blieb der Sport Spider eine rare Erscheinung. Nur rund 1.800 Exemplare wurden bis 1999 gebaut, übrigens im Renault-Werk in Dieppe, wo bereits der legendäre Alpine montiert worden war. Dann stellte Renault die Produktion ein. Einen direkten Nachfolger für den Sport Spider gab es nicht – der Spaß war vorbei.