Wenn der Tacho fast gar nichts anzeigt

Beim Kauf oder Verkauf von Gebrauchtwagen spielt die Kilometerleistung eine wichtige Rolle bei der Festlegung des Preises. Das gilt auch für die Classic-Car-Szene: Vielleicht nicht so sehr bei einem jahrzehntealten Veteranen – doch anders sieht es bei einem Youngtimer aus, der noch keinen Oldtimerstatus genießt. Da können ein paar tausend Kilometer mehr oder weniger auf dem Tacho schon einen gewichtigen Unterschied ausmachen.

Problem dabei: Die Kilometerleistung eines Autos lässt sich mit relativ einfachen Mitteln manipulieren. Experten schätzen, dass hierzulande an jedem dritten verkauften Gebrauchtwagen der Kilometerstand verfälscht wurde. Das geht ziemlich einfach, wie eine Untersuchung des ADAC im vergangenen Herbst gezeigt hat. Dazu wählte der Autoclub drei Pkw von Ford, Opel und Peugeot der Baujahre 2019 und 2020 aus, die anschließend mit frei erhältlichem Gerät manipuliert wurden. Ergebnis: Der Kilometerstand ließ sich schon nach kurzer Zeit ohne Probleme verstellen. Und was bei modernen Fahrzeugen klappt, funktioniert erfahrungsgemäß auch bei älteren Autos.

Der Aufwand dafür ist überschaubar und letztlich nur eine Frage des „Gewusst-wie“. Die dazu notwendigen Geräte sind im Handel legal erhältlich. Meist lässt sich die Manipulation sogar ohne Ausbau des Tachos oder anderer Bauteile bewerkstelligen.

Die Autokäufer haben den Schaden: Er besteht nicht nur aus einem zu hohen Kaufpreis. Sondern unter Umständen auch in verfälschten Serviceintervallen, etwa wenn Verschleißteile wegen der künstlich reduzierten Laufleistung nicht rechtzeitig ausgetauscht werden. Was beispielsweise bei einem verschlissenen Zahnriemen zu einem teuren Motorschaden führen kann.

Fazit des ADAC: Die seit 2017 geltende EU-Verordnung, nach der der Kilometerstand eines Fahrzeugs systematisch gegen Manipulationen geschützt sein muss, greift leider bis heute nicht. Der ADAC fordert daher eine Ergänzung der Verordnung. Darin soll nicht nur eindeutiger definiert werden, wie wirksam der Manipulationsschutz sein muss, sondern auch, wie er überprüft werden soll. Der Autoclub schlägt eine entsprechende Prüfung durch eine neutrale Instanz, zum Beispiel das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor.

Bis dahin gilt für Käuferinnen oder Käufer von Gebrauchten und Oldies: Augen auf! Denn eine professionell durchgeführte Tacho-Manipulation ist auch von einer Fachwerkstatt oder einem Sachverständigen nicht leicht zu erkennen. Als Käufer sollten Sie daher einen genauen Blick auf die Fahrzeugpapiere werfen. Reparaturrechnungen sowie AU- und TÜV-Berichte, auf denen der Kilometerstand notiert wird, ebenso Ölwechsel-Aufkleber oder -Anhänger, können Hinweise darauf geben, ob mit der Laufleistung des Fahrzeugs tatsächlich alles in Ordnung ist.