25 Jahre H-Kennzeichen

Ein einzelnes H auf einem deutschen Autokennzeichen bedeutet normalerweise, das das Fahrzeug in Hannover zugelassen wurde. Doch steht das H nicht vorne, sondern hinter der abschließenden Nummer, kennzeichnet es ein Fahrzeug von historischem Wert. Das H-Kennzeichen wurde 1997, also vor 25 Jahren, eingeführt – es hat seitdem mit dafür gesorgt, dass der Erhalt von Classic Cars auch für Normalsterbliche erschwinglich wurde.

Kein Zweifel: Wir leben in einem Autoland. Deutschland hat die Entwicklung der Automobiltechnik in entscheidendem Ausmaß geprägt. Wichtige Entwicklungen, allem voran die „Erfindung des Autos“ durch Carl Benz, kommen von hier. Und bis heute sind es gerade Autohersteller wie Mercedes, BMW, Porsche oder Volkswagen, die das weltweite Image des Technologiestandorts Deutschlands maßgeblich prägen. Kein Wunder, dass das Automobil hierzulande weit mehr ist als ein simples Fortbewegungsmittel – es gilt als bedeutsames Zeugnis der Technikgeschichte.

1997 fand diese hohe Wertschätzung praktischen Ausdruck in der Einführung der H-Kennzeichen. Vereinfacht ausgedrückt bestätigen sie Fahrzeugen, die 30 oder mehr Jahre alt sind und bestimmte technische Kriterien erfüllen, den Status als „automobilgeschichtliches Kulturgut“. Für die Halter ist das mit handfesten finanziellen Vorteilen verbunden: Für Pkw mit H-Kennzeichen wird pauschal eine Kfz-Steuer von 191,73 Euro pro Jahr fällig, sie werden zudem – da sie in der Regel weniger bewegt werden als normale Fahrzeuge – versicherungstechnisch günstiger eingestuft. Die H-Klassiker müssen keinen Kat haben und dürfen dennoch auch in jenen Umweltzonen fahren, für die ansonsten Beschränkungen wegen der Gefahr zu hoher Verkehrsemissionen gelten.

Derzeit sind beim Kraftfahrt-Bundesamt rund 600.000 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen, darunter auch Lkw, Busse oder Motorräder, registriert. Die tatsächliche Zahl der hierzulande noch existierenden Oldtimer über 30 Jahre ist allerdings weit höher (derzeit dürften es rund 900.000 sein), denn nicht jeder hat oder erhält ein H-Kennzeichen.

Davor steht eine Untersuchung durch eine Prüfstelle (zum Beispiel TÜV oder Dekra). Sie entscheidet nach einer Reihe von Kriterien: Das Fahrzeug muss zugelassen und möglichst original erhalten sein. Darüber hinaus darf es keine technischen Mängel, Anzeichen unsachgemäßer Instandsetzung oder substanzielle Schäden (etwa durch Korrosion) aufweisen. Marginale Mängel, etwa eine altersbedingte Patina, sind hingegen zulässig. Karosserie, Fahrwerk, Motor, Bremsanlage, Lenkung, Reifen, elektrische Anlage und Fahrzeuginnenraum sollten historisch korrekt erhalten sein.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Allzu stark veränderte, getunte oder verbastelte Oldies (etwa zum Hot Rod umgebaute Fahrzeuge) kommen für das H-Kennzeichen nicht in Frage. Zulässig sind allenfalls „zeitgemäße“ Veränderungen. Das kann beispielsweise ein Original-Austauschmotor sein, auch nachträglich eingebaute Sportsitze oder neue Felgen sind meist erlaubt. Eine Faustregel lautet: Eventuelle Umbauten sollten nur in den ersten zehn Jahren nach der Erstzulassung vorgenommen worden sein. In manchen Fällen lassen die Prüfer auch mit sich reden. Letztlich liegt es bis zu einem gewissen Grad in ihrem Ermessen, ob ein Oldtimer das H-Kennzeichen erhält oder nicht.

Übrigens: Wenn Sie in der englischsprachigen Welt von einem „Oldtimer“ sprechen, kann es passieren, dass man Sie nicht versteht. Denn dieser Begriff ist nur in Deutschland für ein altes Auto gebräuchlich. Im Englischen bezeichnet er hingegen einen älteren Menschen – hier ist der Ausdruck „Classic Car“ üblich.