Das freundliche „Froschgesicht“

Kaum ein Modell des französischen Autobauers Renault ist bekannter als der 1993 eingeführte Twingo. Als der ungewöhnliche Kleinwagen damals auf den Markt kam, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass dies der Anfang einer langen Erfolgsgeschichte sein würde.

Nein, nicht in Frankreich, sondern in Polen beginnt die Geschichte des Renault Twingo. Genauer gesagt auf einem Schreibtisch der zum polnischen Autohersteller FSM gehörenden Designfirma BOSMAL. Im Jahr 1983 begann dort ein Team unter Leitung des Ingenieurs Wieslaw Wiatrak an einem Nachfolger für den von FSM produzierten Fiat 126p – bekannter unter dem Namen „Polski-Fiat“– zu arbeiten. Dabei heraus kamen einige Prototypen mit dem Namen „Beskid“.

Das vom Designer Krysztof Meissner entwickelte Konzept bestach vor allem durch sein aerodynamisches Monobox-Design. Doch aufgrund fehlender technischer Infrastruktur für eine Serienproduktion bei FSM verschwand der Entwurf schnell wieder in der Schublade, und die Prototypen wurden in einer Garage eingemottet. Bis Renault sich das Design nach Ablauf der Patente als Vorbild für eine neue Baureihe nahm.

Mit einigen Änderungen von Meissners Studie stellten die Franzosen den Kleinwagen unter dem Namen Twingo 1992 auf dem Pariser Autosalon vor. Er kam an: Seine Front mit den Glubschaugen-Scheinwerfern und den drei Lüftungsschlitzen auf der Motorhaube wirkte auf den Betrachter freundlich und brachte dem Twingo bald den Spitznamen „Froschgesicht“ ein. Sein echter Name stammte übrigens vom deutschen Werbetexter Manfred Gotta. Er wollte damit zeigen, dass das Auto aufgrund seines Innenraumkonzepts eine Kombination aus den zwei (twin) Fahrzeugen Kleinwagen und Minivan darstellt. Ob dies den meisten Käufern tatsächlich bewusst war, ist allerdings zweifelhaft. Die meisten kauften den Twingo, weil er praktisch und preiswert war und irgendwie niedlich aussah.

Renault landete mit dem Twingo einen Hit: Von der 1993 bis 2007 produzierten ersten Generation verkaufte der Konzern fast 2,5 Millionen Fahrzeuge. Vor allem als Zweitwagen war das kleine Raumwunder beliebt. Seit 2014 ist nun bereits eine dritte – auch als Elektrofahrzeug verfügbare – Generation auf dem Markt.