In manchem Lackierer schlummert ein Künstler

Fotos: Messe Frankfurt

Alexander Hagemann hat beim internationalen „Body & Paint“-Wettbewerb, der auf der diesjährigen Automechanika entschieden wurde, gleich zwei Mal den Vogel abgeschossen: Der 37-jährige Fahrzeuglackiermeister aus Rottenburg (s. Bild oben, Mitte) entschied mit seiner perfekt lackierten Motorhaube nicht nur den Wettbewerb der deutschen Teilnehmer für sich – sondern anschließend auch noch den Vergleich mit der internationalen Konkurrenz aus China, Südafrika und England. Gratulation und großes Kompliment.

Hagemann erzählt auf seiner Motorhaube (s. Bild unten) eine Geschichte: Er thematisiert auf fantasievolle Weise Aspekte der Automobilentwicklung in Deutschland. Bei der Umsetzung seines aufwendigen Entwurfs setzte er eine Vielzahl unterschiedlichster Lackiertechniken und -effekte ein. Sein Werk ist fast so etwas wie eine Leistungsschau dessen, was Profis mit der Lackierpistole alles zaubern können, wenn man sie einfach mal machen lässt. Was übrigens nicht nur für Hagemanns Siegerentwurf gilt: Auch die übrigen „Body & Paint“-Wettbewerbsbeiträge zeichnen sich nicht nur durch handwerkliches Können, sondern auch durch große grafische Qualität aus (einen kleinen Überblick finden Sie hier und hier).

Warum ich darüber im Classic Blog schreibe? Aus drei Gründen: Erstens, weil dieser Wettbewerb deutlich macht, auf welch hohem Qualitätslevel in vielen Lackierwerkstätten gearbeitet wird. Zweitens, weil Alexander Hagemann bei seinem Wettbewerbsbeitrag von Standox unterstützt wurde – und wir uns über seinen Sieg natürlich sehr gefreut haben. Und drittens, weil durch diesen Text vielleicht der eine oder andere Old- oder Youngtimer-Besitzer die Anregung bekommt, seinem Veteranen eine individuelle Optik zu gönnen, zum Beispiel durch eine schöne Designlackierung.

Zugegeben: Zu jedem Auto passt das nicht. Bei einem würdevollen alten Rolls-Royce oder Bugatti sollte man mit einer zu ausgefallenen Lackierung sicherlich eher zurückhaltend sein. Doch jüngere und modernere Fahrzeuge vertragen etwas mehr Form und Farbe ohne weiteres. BMW beispielsweise hat im Laufe der Jahre mehrmals Künstler (darunter veritable Stars wie Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Frank Stella) dafür gewonnen, ihre Modelle einmal ganz anders zu lackieren. Alle haben mitgemacht, und einige dieser Fahrzeuge gelten inzwischen als Klassiker.

Sprechen Sie den Kfz-Lackierer Ihres Vertrauens doch mal darauf an. Das Beispiel von Alexander Hagemann zeigt, dass in manchem Handwerker ein echter Künstler schlummert. Und der wartet vielleicht nur darauf, seiner Kreativität mal richtig die Sporen geben zu können.