Pietro Fruas schönes Unikat

Schaffte es nie in Serienproduktion: Der Glas BMW 3000 Fastback.

Manche Autoentwürfe schaffen es trotz technischer oder optischer Vorzüge nie in die Serie. Die Gründe können vielfältig sein: zu teuer, zu experimentell, ihrer Zeit voraus, manchmal fehlt es auch am Markt oder am Interesse des Herstellers. Dieses Schicksal hatte auch ein Coupé, das Ende der 60er-Jahre vorgestellt wurde.

Den Namen Pietro Frua kennen heute nur noch Auto- oder Design-Experten. Doch er gehörte zur Garde legendärer italienischer Autodesigner wie Bertone, Pininfarina oder Zagato, die vor allem in den 50er- und 60er-Jahren Karosserien schufen, bei denen Auto-Fans noch heute leuchtende Augen bekommen. Frua arbeitete zeitweilig als Angestellter für andere Designbüros, machte sich dann jedoch selbstständig und entwarf für viele Autofirmen. Besonders in Erinnerung blieben der Renault Floride oder die Maserati-Modelle Mistral und Quattroporte in den 60ern, die von seinem Reißbrett stammten.

Auch der deutsche Autobauer Glas aus dem bayerischen Dingolfing gehörte zeitweilig zu seinen Kunden. Glas hatte in den 50er-Jahren mit dem Kleinstwagen Goggomobil auf sich aufmerksam gemacht und versuchte sich in späteren Jahren auch an größeren Fahrzeugen. Das ging allerdings schief: Das Unternehmen geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1967 vom Konkurrenten BMW übernommen.

Fastback-Version ging nie in Serie

In Dingolfing fanden die Ingenieure von BMW unter anderem den Glas 2600 V8 vor, ein luxuriöses Coupé, das Glas erst kurz zuvor vorgestellt hatte. Die Karosserie des Stufenheck-Coupés stammte von Pietro Frua – und er hatte sogar eine noch elegantere Variante mit Fließheck (Fastback) entworfen. Doch BMW hatte gerade im Rahmen seiner „Neuen Klasse“ sein eigenes Coupé auf den Markt gebracht und daher keine Verwendung für den Entwurf. Von der Stufenheck-Version wurden noch einige hundert Stück ausgeliefert (übrigens mit dem BMW-Emblem auf der Motorhaube). Das Fastback-Coupé hingegen, das von einem 3-Liter-Achtzylindermotor mit 160 PS angetrieben wurde, ging nie in Serie – tatsächlich existiert nur ein einziger Prototyp.

Dieser Solitär, den Frua in Eigenregie hatte bauen lassen, wurde auf mehreren Messen präsentiert und erlebte danach eine bewegte Geschichte. Er wechselte nicht nur mehrfach den Besitzer und das Land, sondern auch die Farbe. Mittlerweile ist der Wagen im Besitz der Gassmann GmbH, einem großen Fahrzeughändler in Bovenden bei Göttingen – und dort ließ man den über ein halbes Jahrhundert alten Veteranen erst mal gründlich überholen.

Neue Lackierung mit modernen Produkten

Die Karosserie wurde komplett entlackt. Dabei stellte sich heraus, dass bei den diversen Farbwechseln nicht immer fachgerecht gearbeitet worden war. „Die Karosserie war dick gespachtelt“, bemängelte Markus Soppa, der bei Gassmann für die Karosserie- und Lackierarbeiten zuständig ist. „Und es gab Roststellen, die wir nur durch das Einschweißen neuer Bleche reparieren konnten.“ Rund 1.200 Arbeitsstunden, so schätzt Soppa, brauchte er, um den einmaligen Klassiker wieder in Form zu bringen.

Bei der Neulackierung ging Soppa mit seinem Kollegen, dem Lackierer Sebastian Haible, neue Wege: Sie verwendeten ausschließlich moderne Standox Materialien, darunter den Basislack Standoblue. Bei der Farbgebung hielten sie sich jedoch strikt ans Original: Heute strahlt der Glas BMW V8 wieder in coolem Silbermetallic, jenem Farbton, in dem er Ende der 1960er-Jahre erstmals zugelassen wurde.