Dieser Porsche steht unter einem guten Stern

Eine Limousine mit Wumms: Der Mercedes-Benz 500 E.

Normalerweise ist Porsche eher für wendige Zweisitzer bekannt. Doch mit dem 500 E bauten die Stuttgarter in den 1990ern eine Limousine – und zwar für Mercedes-Benz. Auch heute noch erfreut sich das Modell großer Beliebtheit – sogar bei Sportwagenfans, die sonst eher wenig Gefallen an der Benz‘schen Bequemlichkeit finden.

Sindelfingen und Zuffenhausen – schwäbische Ortsnamen, die wahrscheinlich den meisten Deutschen ein Begriff sein werden. Denn dort sitzen zwei der bekanntesten Autohersteller des Landes: Mercedes-Benz und Porsche. Beide sind in ihrer jeweiligen Sparte – Luxus-Limousinen bzw. Luxus-Sportwagen – absolute Champions. Was läge da näher, als diese Welten zusammenzuführen und gemeinsam eine Sportlimousine zu bauen? Vor allem, da die Unternehmen bereits in der Vergangenheit zusammenarbeiteten.

Und genau dies geschah mit dem Modell 500 E (ab 1993 umbenannt in E 500). Das 1988 gestartete Projekt lässt sich mit Fug und Recht als gegenseitige Nachbarschaftshilfe bezeichnen: Beide Unternehmen hatten damals mit Problemen zu kämpfen. Während bei Porsche die Absatzzahlen zurückgingen, hatte Mercedes mit der Münchner Konkurrenz von BMW zu kämpfen. Diese hatten gerade den PS-starken M5 auf den Markt gebracht. Einen Renner, dem Mercedes damals nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte.

So kam auf Vermittlung des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten die Zusammenarbeit zwischen den beiden Traditionsunternehmen zustande. Und die hatte es in sich! Von 0 auf 100 km/h brauchte der 500 E nur 6,3 Sekunden. Dafür sorgte der bärenstarke V8-Motor mit einer Leistung von 320 PS.

Deutlich langsamer waren die Tieflader, die die einzelnen Komponenten des Fahrzeugs zwischen dem Porsche-Werk in Zuffenhausen und den Mercedes-Werken in Sindelfingen und Untertürkheim transportierten. Denn auch wenn die Montage bei den Sportwagenexperten stattfand, wurden alle Teile für die Rohkarosserie bei Benz gepresst, wo auch die Lackierung der fertigen E 500s stattfand.

Doch nicht nur bei der Produktion unterstützte Porsche den Nachbarkonzern: Die gesamte Entwicklungsarbeit stammte von den Nord-Stuttgartern. Als markantestes Merkmal im Unterschied zum Standardmodell fallen die für den V8-Motor verbreiterten Kotflügel und die veränderte Stoßfängerverkleidung auf. Außerdem hat der 500 E nur vier statt fünf Sitze, da aufgrund der Größe des Differenzials in der Mitte der Rückbank kein Platz mehr für eine Federung war.

Erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wurde der elegante Kraftprotz auf dem Pariser Autosalon 1990. Trotz des Listenpreises von 134.520 DM verkaufte sich das ab 1991 hergestellte Auto viel besser als erwartet: Statt den ursprünglich geplanten zehn Fahrzeugen pro Tag musste Porsche schon bald die doppelte Anzahl produzieren.

Insgesamt 10.479 Exemplare rollten so in den nächsten vier Jahren vom Band. Dank der selbst im Vergleich zu anderen Mercedes-Modellen exquisiten Verarbeitung sind auch heute noch viele E 500s bzw. 500 Es auf den Straßen unterwegs – und manchmal sogar im Abendprogramm: Filmliebhabern wird die Sportlimousine nämlich aus dem französischen Film „Taxi“ bekannt sein. Dort rast der Taxi-Fahrer Daniel Morales mit seinem Benz durch die Straßen von Marseille. Funfact: Aufgrund des hohen Preises für den 500er kamen bei den Dreharbeiten optisch angepasste 400 Es zum Einsatz.