Das Bötchen hat Macken

Foto: Lothar Spurzem

Ein Flitzer wie aus dem Bilderbuch – das ist der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man ein Foto des Fiat Barchetta sieht. Doch der Roadster ist vor allem wegen allerlei Macken in Erinnerung geblieben.

„Barchetta“ (italienisch für Bötchen) ist der Name des 1995 eingeführten Roadsters von Fiat. Der damals auf dem Genfer Autosalon vorgestellte Sportwagen sollte vor allem dem Mazda MX-5 Konkurrenz machen. Und allein die Benennung war bereits eine Kampfansage. Denn das erste Auto, das die Bezeichnung „Barchetta“ trug, war immerhin der Ferrari 166 MM aus dem Jahr 1948.

Entworfen wurde das Fiat-Cabriolet von Andreas Zapatinas, der später unter anderem auch den BMW Z8 designte. Der Grieche verpasste dem Roadster unter anderem schicke Details wie versenkte Türgriffe, rahmenlose Scheiben und ein vollständig versenkbares Verdeck. Das Team um Zapatinas hat sich außerdem einen optischen Kniff einfallen lassen, um die Illusion einer freistehenden Windschutzscheibe zu erzeugen: Die A-Säule wurde hinter statt vor der Scheibe platziert und zudem von einer schwarzen Folie verdeckt.

So schick das Design war, so unausgegoren entpuppte sich jedoch die Technik. Tatsächlich eignet sich der Barchetta nur als Sommergefährt. Schlecht konstruierte Fenstergummis, mäßig versiegelte Rückleuchten und ein schnell durchscheuerndes Verdeck sorgen dafür, dass Fahrten bei Regen oft mit einem feuchten Fahrzeuginnenraum enden. Hinzu kommen die versenkbaren Türgriffe, die bei Frost nicht funktionieren.

Leider änderte sich an der mageren Verarbeitungsqualität auch bei den nachfolgenden Modellen wenig. Auch Fahrzeuge aus späteren Generationen des bis 2005 produzierten Barchetta wiesen erhebliche Schwächen auf. Sowohl mit Rost als auch Dellen in den viel zu dünnen Karosserieblechen musste weiterhin gerechnet werden.

Dennoch bleibt der Barchetta ein Geheimtipp für alle Cabrio-Fans, die nach einem Auto für die sommerliche Spritztour am Wochenende suchen. Denn mit einem Preis von ca. 4.700 bis 7.200 Euro ist ein gebrauchter Barchetta relativ günstig erhältlich. Und das hohe Drehmoment des Motors in Kombination mit dem geringen Gewicht des Autos sorgen für jede Menge Fahrspaß. Im Herbst und Winter sollte der Roadster allerdings in einer Garage eingemottet werden, um den Alterungsprozess zu verlangsamen.