Lackieren im Sommer

Der Sommer ist für Lackierbetriebe eine Zeit besonderer Herausforderungen. Denn Lackprodukte reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen und Schwankungen der Luftfeuchte. Doch das lässt sich ausgleichen: durch die richtige Materialeinstellung und eine angepasste Arbeitsplanung.

Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2019? Da wurden hierzulande tagelang Temperaturen von weit über 30, in einigen Regionen sogar von über 40 °Celsius gemessen – ein brutaler Härtetest für Mensch und Material. Solche extremen Bedingungen stellen jedes Unternehmen vor Herausforderungen, doch für Karosserie- und Lackierbetriebe gilt dies in besonderem Maße. Denn große Hitze sowie niedrige bzw. hohe Luftfeuchtigkeit haben gravierenden Einfluss auf die Verarbeitung von Lackprodukten.

Daher sollten Lackprofis im Sommer flexibel auf das Klima reagieren – zum einen durch die richtige Einstellung des Lackmaterials. Zum anderen aber auch durch eine kluge Planung ihres Arbeitstages. Hier sind ein paar Tipps zum Lackieren im Sommer.

„Werfen Sie im Sommer morgens als erstes einen Blick auf Thermometer und Hygrometer“, rät Erik Faßbender, Leiter Training bei Standox Deutschland. „Wenn der Tag heiß wird, sollten Sie langwierige und anspruchsvolle Lackierarbeiten möglichst am Vormittag erledigen, wenn es in der Werkstatt noch relativ kühl ist. Eine aufwendige Dreischichtlackierung sollten Sie nicht gerade mittags machen, wenn die Sonne am heißesten brennt. Passen Sie den Tagesablauf, die Kabinenbelegung und die Reihenfolge der Lackierarbeiten dem Wetter an.“

Grundsätzlich gilt: Bei großer Hitze und niedriger Luftfeuchtigkeit trocknen wasserbasierte Lackkomponenten schneller als sonst. Faßbender: „Das kann so weit gehen, dass der Spritznebel aus der Lackierpistole bei einer herkömmlichen Einstellung nicht mehr richtig auf die Oberfläche übertragen wird. Die Lacktröpfchen trocknen buchstäblich schon im Flug.“

Standox bietet Härter und Additive an, mit denen Primer, Füller, Basis- oder Klarlack auch bei extremen Bedingungen einwandfrei verarbeitet werden können. Faßbender: „Wählen Sie bei trockener Hitze den passenden Härter mit dem entsprechenden Additiv für eine lange Einstellung. So bleibt der Lack lange genug offen, um die Oberfläche gut zu benetzen.“ Das Gleiche gilt für Spachtel: „Hier sollten Sie den Härter BPO blau verwenden“, sagt Faßbender. „Er sorgt dafür, dass sich selbst Spachtel bei großer Hitze länger gut verarbeiten lässt.“

Auch Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit – in manchen Regionen eine sehr häufige Kombination – kann eine andere Einstellung der Lackprodukte notwendig machen. „Steigt die Luftfeuchtigkeit auf über 75 Prozent, müssen Sie ebenfalls auf die Einstellung der Lackkomponenten achten“, sagt Faßbender. „Andernfalls kommt der Lack zu nass auf die Oberfläche. Das kann dazu führen, dass Sie Schwierigkeiten haben, den gewünschten Farbton des Basislacks zu erreichen oder dass Fehler in der Oberfläche entstehen.“  

Moderne Lacke lassen sich im Allgemeinen einfach und sicher verarbeiten. Dennoch empfiehlt Faßbender gerade im Sommer erhöhte Aufmerksamkeit: „Mein Tipp: Werfen Sie vor Arbeitsbeginn noch mal einen Blick in die technischen Datenblätter. Dort finden Sie präzise Hinweise, wie Lacke auf die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen eingestellt werden müssen. Das geht auf jeden Fall schneller, als wenn Sie nach der Lackierung Fehler beheben müssen.“