Ein royaler Escort unter dem Hammer

Bild: Kieran White

Ein prominenter Vorbesitzer kann den Wert eines Old- oder Youngtimers, selbst wenn es sich um ein eher schlichtes Alltagsmodell handelt, manchmal um ein Vielfaches steigern. In einem englischen Auktionshaus kam jetzt ein solches Fahrzeug unter den Hammer.

Als Diana Spencer, Princess of Wales, im August 1997 in Paris bei einem Autounfall ums Leben kann, war dies für die ganze Welt ein Schock. Über anderthalb Jahrzehnte lang war sie weltweit eine der bekanntesten Personen gewesen. Selbst Nicht-Leser der „Yellow Press“ waren mit den Details ihrer unglücklichen Ehe mit dem britischen Thronfolger Charles vertraut. Ihr tragischer und früher Tod machte die „Prinzessin der Herzen“ endgültig zum Mythos.

 

Ein Geschenk vor der Hochzeit
Bei einer Auktion in Colchester, nordöstlich von London, wurde Ende Juni ein silberner Ford Escort Ghia der dritten Modellreihe (gebaut von 1980 bis 1986) verkauft. Ein damals beliebtes, aber keineswegs besonders luxuriöses oder ausgefallenes Auto. Bei Oldtimer-Sammlern fände ein solches Fahrzeug normalerweise nur begrenztes Interesse. Doch dieser komplett erhaltene Escort mit Originallack und Original-Nummernschild WEV 297W erregte Aufsehen: Der Wagen (unser Bild zeigt ein baugleiches Modell) war 1981 ein Geschenk von Prince Charles an seine damalige Noch-Verlobte Diana. Zumindest bei einem Teil der rund 133.000 Kilometer, die das Fahrzeug auf dem Tacho hat, saß Lady Di tatsächlich selbst am Steuer. Sie habe damit, so heißt es, unter anderem Polo-Turniere besucht, an denen ihr königlicher Gatte teilnahm.

 

Ein silberner Frosch auf der Motorhaube
Ein originelles Detail: Auf der Motorhaube des Escort ist eine kleine silberne Statue angebracht, die einen hüpfenden Frosch zeigt. Es soll dabei sich um die Kopie eines Geschenks von Lady Dianas älterer Schwester handeln. Eine augenzwinkernde Anspielung auf das Märchen vom Froschkönig, in dem sich der Frosch durch einen Kuss in einen schönen Prinzen verwandelt. Feinsinniger britischer Humor auf der Motorhaube – der bei einer deutschen TÜV-Prüfung vermutlich sofort beanstandet worden wäre.

 

Laut Angaben des Auktionshauses fuhr Lady Diana den silbernen Escort rund ein Jahr. Später gelangte er über Umwege in den Besitz einer Bewundererin der Prinzessin. Sie hielt ihn die meiste Zeit unter Verschluss, nur ihre Familienangehörigen wussten, um welches Fahrzeug es sich handelte. Jetzt wurde das Geheimnis offenbar, und das Auktionshaus veranschlagte den 40 Jahre alten Escort auf 35.000 bis 46.000 Euro. Der Schätzpreis wurde jedoch deutlich überboten: Ende Juni ging der Wagen für umgerechnet über 61.000 Euro an ein Museum in Chile.

 

Mondpreise für Autos mit „Promi-Bonus“
Je nach Prominenz und Legendenstatus der Vorbesitzer können manche Autos bei Auktionen tatsächlich erstaunliche Preise erzielen. 2017 wechselte ein Volvo, der einmal David Bowie gehörte, für umgerechnet 183.000 Euro den Besitzer – rund das Zehnfache dessen, was das gleiche Modell ohne „Promi-Faktor“ gekostet hätte. Ein Ferrari Dino mit Vorbesitzer Keith Richards von den Rolling Stones erzielte über 500.000 Euro, 200.000 Euro mehr als vorher veranschlagt. 2018 versteigerte das Auktionshaus Sotheby’s einen Porsche 911 S, der einst dem Schauspieler und ausgewiesenen Autofan Steve McQueen gehört hatte, für stolze 950.000 Euro, das Zwölffache des Schätzwertes.

 

Ein eher skurriler Fall: 2005 stellte ein Zivildienstleistender aus dem Sauerland fest, dass in den Fahrzeugpapieren des grauen VW Golf, den er für unter 10.000 Euro gekauft hatte, ein gewisser Josef Kardinal Ratzinger als Erstbesitzer verzeichnet war – und der war gerade in Rom zum Papst gewählt worden. Er versteigerte den Wagen bei Ebay, und ein amerikanisches Online-Casino legte dafür fast 190.000 Euro auf den Tisch. Doch manchmal kann ein Promi-Bonus auch schwinden: Einige Jahre später, als Benedikt XVI. von seinem Amt zurücktrat, versuchte das Casino, den Golf wieder zu verkaufen – doch diesmal erreichten die Gebote auf Ebay nur bescheidene 16.500 Euro.